Was Sie über das deutsche Gesundheitssystem grundsätzlich wissen sollten
04.07.2025 Judit Nagy

Was Sie über das deutsche Gesundheitssystem grundsätzlich wissen sollten

1. Grundlagen des deutschen Gesundheitssystems

In Deutschland besteht eine Versicherungspflicht für alle. Das System basiert auf zwei Säulen: der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV). Die gesetzliche Versicherung steht grundsätzlich allen offen, während die private nur unter bestimmten Einkommens- oder Berufsbedingungen gewählt werden kann. Patientinnen und Patienten können frei eine Hausarztpraxis wählen – eine regionale Bindung besteht nicht. Viele Arztpraxen arbeiten ausschließlich mit Terminen, die oft Wochen im Voraus gebucht werden müssen, besonders bei Fachärzten. Es gibt keine Praxisgebühr, jedoch sind Zuzahlungen für Medikamente, Hilfsmittel, Physiotherapie oder Krankenhausaufenthalte üblich.

2. Hausärztliche und fachärztliche Versorgung

Die Hausärztin oder der Hausarzt ist meist die erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen. Sie oder er stellt Überweisungen zu Fachärztinnen und -ärzten aus, dokumentiert Untersuchungsergebnisse und koordiniert die medizinische Versorgung. Dies erfolgt digital über die elektronische Gesundheitskarte (eGK), die bei jedem Arztbesuch vorgelegt werden muss. In der Zahnmedizin deckt die GKV die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen und einfache Behandlungen wie Füllungen oder Zahnsteinentfernung ab. Aufwendigere Leistungen wie Kronen oder Zahnersatz erfordern jedoch eine Eigenbeteiligung. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen können durch das Bonusheft die Kosten senken. Facharzttermine sind häufig schwer zeitnah zu bekommen, weshalb viele Patientinnen und Patienten bei Bedarf auf private Behandlungen zurückgreifen.

3. Versorgung von Kindern und während der Schwangerschaft

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet umfassende Leistungen bereits ab Beginn der Schwangerschaft. Die Betreuung erfolgt durch Gynäkologinnen und Hebammen gemeinsam. Die Versicherung übernimmt unter anderem Ultraschalluntersuchungen, Laborwerte, Geburtsvorbereitungskurse sowie die Entbindung – sowohl im Krankenhaus als auch zu Hause. Die Hebammenbetreuung vor und nach der Geburt umfasst Stillberatung, Unterstützung bei der Wundheilung und Anleitung zur Säuglingspflege. Kinder sind ab der Geburt automatisch mitversichert und haben Anspruch auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (U1–U9) beim Kinderarzt. Empfohlene Schutzimpfungen gemäß der STIKO (z. B. MMR, DTPa, HPV) werden vollständig von der GKV übernommen.

4. Wissenswertes vor dem Arztbesuch

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland verpflichtend – sowohl für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch für Arbeitssuchende. Es gibt zahlreiche gesetzliche Krankenkassen zur Auswahl, deren Grundleistungen ähnlich, aber in Zusatzleistungen unterschiedlich sind. Eine Hausarztpraxis sollte frühzeitig gefunden werden, da sie eine zentrale Rolle in der Koordination der Versorgung spielt. Patientinnen und Patienten können ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte selbst wählen, unabhängig vom Wohnort, jedoch ist mit längeren Wartezeiten bei der Terminvergabe zu rechnen. Arztbesuche sind in der Regel kostenfrei, doch für Medikamente, Therapien oder Hilfsmittel fallen Zuzahlungen an. Viele diagnostische Verfahren wie EKG, Blutentnahme oder Ultraschall werden direkt in der Hausarztpraxis durchgeführt. Für Krankenhausaufenthalte wird meist eine Überweisung benötigt – außer in Notfällen. Apotheken spielen eine wichtige Rolle in der Beratung, und für verschreibungspflichtige Medikamente gelten feste Zuzahlungen. Gute Deutschkenntnisse, insbesondere im medizinischen Bereich, sind von großem Vorteil. Bei Bedarf kann ein Dolmetschdienst in Anspruch genommen werden.

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